"von mir geschrieben...Kurzgeschichten,Märchen"

"Spaziergang am Meer"...geschrieben am 20.11.03.
 
Dick eingemummelt, die Nase in einem wolligen Schal verborgen, die Hände tief in den Taschen vergraben, gehe ich die Treppe am Deich hoch. Oben schlägt ein eisiger Wind um mein Gesicht, aber ich spüre es nicht, mir ist mollig warm. Endlich bin ich da, bin ich an dem Ort wo meine Seele fliegen kann. Die Wärme kommt von innen, lächelnd gehe ich runter zum Strand. Meine Gedanken, frei im Wind, begleiten mich. Gedanken der Einsamkeit, des Schmerzes und der Trauer, Gedanken über mein Leben, Erinnerungen die mich immer wieder quälen. Hier schmerzen sie nicht, sie begleiten mich nur wie ein Drachen der hoch oben am Himmel über mir schwebt. Ich halte die durchsichtige Schnur in der Hand, langsam wird mir klar, ich muß sie durchtrennen, ich weiß es jetzt. Aber ich weiß nicht ob ich schon soweit bin, noch halte ich die Schnur krampfhaft fest und wandere alleine durch den Sand.

Ich denke an meine Kindheit, erinnere mich an die schlimmen Zeiten, die Einsamkeit, die Angst, an die Trauer und vieles mehr. Ich denke an meine Eltern, die mir sehr weh getan haben. Ich denke an meine Großeltern und an meine Urgroßmutter. Ich denke an meine Geschwister, die ich im Laufe der Zeit immer wieder verloren und wiedergefunden habe. Ich denke an Bastian, meinen Sohn, der da irgendwo im Meer schwimmt, der am Himmel als Stern leuchtet, der frei im Wind bis zum Horizont fliegt. Ich denke an Michael der eine wunderbare und sehr liebe Mama hat, die ein sehr wertvoller und lieber Mensch ist...und wünsche mir das Bastian und Michael da wo sie sind vielleicht Freunde sind. Ich denke an meine Schwiegereltern, meinen Schwiegervater, der vor ein paar Jahren starb. Meine Schwiegermutter, meine Schwiemu, die vor ein paar Wochen starb. Ich denke an meine Katze, die qualvoll sterben mußte. So voller Gedanken laufe ich immer weiter, spüre den Drachen der an meiner Hand zieht und schaue hinauf. Alle meine Gedanken sind dort oben und werden von ihm im Wind getragen. Leise knirscht der Sand unter meinen Füßen, ich höre das Meer wie es an den Strand schlägt, spüre den Wind der immer stärker an dem Drachen zieht.

Ich schaue hinaus aufs Wasser, langsam öffne ich die Hand, die Schnur löst sich aus meinen verkrampften Fingern, ich weiß aufeinmal ich bin jetzt soweit die Erinnerungen, den Schmerz, die Angst und Trauer, loszulassen. Lange schaue ich noch meinem Drachen, wie er am Himmel übers Meer davon fliegt, hinterher. Ich werde ihn nie vergessen aber ich weiß jetzt ist die Zeit gekommen ihn freizulassen und frage mich leise...wer hat wen freigelassen, ich ihn oder er mich. Ich denke an all die Menschen die mich die letzten Jahre begleitet haben und mir oft geholfen haben mit allem fertig zu werden. Ich denke an meine Töchter und an meinen Mann, die ich endlich, ohne Angst sie wieder zu verlieren, lieben kann. Viele Jahre war meine Liebe zu ihnen eingesperrt hinter Mauern der Angst, aber jetzt ist sie befreit, bin ich frei.
Lächelnd drehe ich mich um, als ich ihre Stimmen höre. Lachend kommen meine Töchter und mein Mann auf mich zugerannt, ich laufe zu ihnen hin, mein Mann fängt mich auf. Lachend drücke ich mich in seine Arme, küsse ihn auf den Mund, dann hacke ich mich bei ihm ein und gebe auch unseren Töchtern einen Kuß. Hand in Hand gehen wir wieder zurück...glücklich denke ich...“ich lebe“.

 

"Abschied in der Abenddämmerung"

Wo war bloß die Zeit geblieben, all die Jahre die man gemeinsam durchs Leben gegangen ist. Es waren viele Jahre, dachte Luise, so viele Jahre und nun gingen sie zu ende. Leise saß sie abends am Bett der alten Frau und schaute voller Kummer in das von Krankheit und Schwäche gezeichnete Gesicht der alten Frau. Wie dünn sie geworden ist...Erinnerungen stiegen in ihr auf.

Nervös rutschte Luise auf dem Beifahrersitz hin und her. "Lutz, ich hab schieß das deine Eltern mich nicht mögen", sagte sie bestimmt zum zwanzigsten mal zu ihm. Lutz mußte lachen," jetzt ist aber gut, meine Eltern sind doch keine Unmenschen, sie werden dich schon mögen, sei einfach so wie du bist." Die Fahrt war viel zu kurz, schon fuhren sie auf die Hofeinfahrt und Lutz hielt an. "Ich kann nicht, mir ist schlecht, ich mach bestimmt Fehler," meinte Luise wieder. Schon etwas genervt schaute Lutz sie an und erwiderte nur," nun steig aus und stell dich nicht so an, du machst schon nichts falsch."  Als Lutz gekloppft hatte hielt er ihr die Tür auf, Luise blieb nichts anderes übrig als reinzugehen, wenn sie sich nicht blamieren wollte. Zusammen gingen sie in die Stube und Lutz sagte," hallo, darf ich euch Luise vorstellen." Dann dreht er sich um," Luise das sind Paul und Ilse Kröhnert." Scheu und verschüchtert, weil die beiden so still zu ihr rüberschauten flüsterte Luise leise," guten Tag." Die beiden erwiederten den Gruß und nachdem die erste Hürde genommen war konnte sie schon wieder lächeln. Das Eis war gebrochen und alle unterhielten sich sehr nett. Als es dann Kuchen und Kaffee gab ging es Luise schon viel besser, fröhlich plauderte sie mit.

Aber sie wunderte sich schon etwas..."Lutz und wo sind denn deine Eltern?" fragte Luise als sie sich zu ihm umdrehte. Lutz erstarrte, schaute Luise entsetzt an und bekam einen ganz roten Kopf. Langsam dämmerte ihr das sie da gerade in ein großes Fettnäpchen getreten war. Sich räuspernd antwortete Lutz," das sind meine Eltern." Errötend drehte sich Luise wieder um," entschuldigung ich dachte sie wären seine Großeltern." Wumps um dem ganzen noch einen draufzusetzen. Entsetzt dachte Luise, na toll wenn ich schon reintrete dann aber auch gleich mit beiden Füßen...warum kann ich nicht die Klappe halten. Die vermeindlichen Großeltern saßen wie zu Eis erfroren da und schnell verabschiedeten sich Lutz und Luise von ihnen. Draußen schüttelte Lutz nur den Kopf und meinte," wie machst du das nur?" "Was kann ich dafür wenn du mir nicht vorher erzählst das deine Eltern schon älter sind, hättest mich doch warnen können," blaffte Lusie ihn an."

Fast zwanzig Jahre ist es her als wir uns kennenlernten, dachte Luise und schaute ihrer Schwiegermutter liebevoll leise lachend in die Augen. Schwiemu lächelte zurück das leise Lachen hatte sie geweckt. Luise strich ihr übers Haar und gab ihr etwas zu trinken, müde schlief Schwiemu wieder ein. Luise lauschte den raselnden, mühsamen Atemzügen ihrer Schwiegermutter und sank zurück in ihre Erinnerungen.

Franziska trappelte lachend auf ihren kurzen Beinchen zur Oma. "Na mein kleiner Schatz, bleibst du heute ein paar Stunden bei uns." lächelte Ilse sie voller Liebe an. "Ona," antwortete Franziska strahlend, "Teks haben will". Luise packte eine Tasche auf den Tisch," hier sind die Windeln drinne und ihre Teeflasche, Ilse. Weißt du wie das geht?" "Kind, natürlich weiß ich das, oder meinst du ich habe Lutz früher nicht gewickelt," lachte Ilse los. Stotternd antwortete Luise," oh, doch, ja, sorry hab ich nicht drüber nachgedacht." Lutz grinste vor sich hin und dachte, immer Luises Fettnäpchen. "So laß uns los, sonst kommen wir zu spät," sagte er zu ihr, "Mama wir sind spätestens in vier Stunden zurück."

"Laßt euch nur Zeit, wir passen schon gut auf Franziska auf." erwiderte Ilse. Paul rief noch hinterher," viel spaß auf dem Fest". Schon fuhren Luise und Lutz los. "Meinst du sie schaffen das," fragte Luise besorgt ihren Mann. "Mach dir mal keinen Kopf da drüber, sie haben es mit mir ja auch geschafft," antwortete Lutz. Die Zeit verging wie im Fluge und die beiden genossen ihre Auszeit vom Elternsein.

Fröhlich lachend kamen sie abends in die Stube, Ilse erwartete sie schon voller ungeduld. "Da seid ihr ja endlich," meinte sie, "ich hab schon gedacht ihr kommt gar nicht mehr." Verwundert schaute Lutz sie an und fragte was los sei. "Ich kam mit der Windel nicht klar, die ist ja ganz anders als es deine früher waren." antwortete Ilse. Luise schnappte sich Franziska und zog ihr die Hosen aus, dann mußte sie laut lachen. Oma hatte die Pampers mit Tesafilm solange umwickelt, weil sie die Klebestreifen an beiden Seiten nicht gefunden hatte, bis sie zuhielt. Leicht beleidigt meinte Ilse," das hättest du mir ja zeigen können, als Lutz noch klein war gab es solche Plastikwindeln nicht. Ich kenne nur die Stoffwindeln." "Ich hab dich doch gefragt ob du weißt wie das geht," lachte Luise immer noch," und du hast gesagt du wüßtest es." "Ja aber doch nicht mit solchen Plastikdingern, " mußte nun auch Ilse lachen.

Leise machte Luise ihre Schwiegermutter wach um sie nicht zu erschrecken, setzte Ilse vorsichtig in ihrem Bett hoch und schob ihr ein Kissen hinter den Rücken. Gedankenverloren ging sie dann in die Küche und holte die Astronautennahrung aus dem Kühlschrank. Schwiemu konnte schon seit Tagen keine festes Essen mehr zu sich nehmen, aber noch konnte sie wenigstens etwas trinken, als Luise sich wieder ans Bett setzte gab sie Schwiemu den Becher mit der flüssigen Nahrung in die Hand. Während sie ihr beim trinken half schweifte Luises Gedanken wieder durch ihren Erinnerungen.

Krachend viel die Haustür ins Schloß. Laut stürmten zwei Mädchen in die Küche. "Mama wann gibst essen, "brüllte Jacqueline durch den Raum und warf ihren Schulranzen in die Ecke. Erschrocken viel Luise fast der Kochlöffel aus der Hand. "Jetzt räumt erstmal eure Ranzen weg und geht euch waschen," schaute sie Franziska und Jacqueline an. Gott wie lange war das schon her, das die beiden noch klein waren, es waren schon richtige kleine Fräuleins geworden. Wenn sie sich auch mal so benehmen würden, schüttelte Luise in gedanken den Kopf. Schon schrien sich die beiden an," ich will zuerst ins Bad. Nein ich". So gings einige Sekunden hin und her, schon krachte und schepperte es im Bad. Verlegen schaute Franziska kurz darauf wieder in die Küche," nichts schlimmes Mama, nur dein fast leeres Parfüm ist kaputt gegangen. Machen wir gleich weg, nach dem essen".

Na, wers glaubt wird selig, dachte Luise und deckte den Tisch. Ilse half ihr dabei, dann setzte sie sich zu Paul und hörte belustigt dem Gespräch zu. "Guten Appetit,Oma, Opa, Papa und Mama, "sprach Franziska als sie sich setzte und langte auch schon gut zu.

"Du Mama, wenn ich eine eins schreibe bekomme ich ja 2 Euro, oder," fragte Jacqueline beim essen scheinheilig." "Ja warum," erwiderte Luise erstaunt. Grinsend meinte Jacqueline, "na dann bekomm ich für ne vier doch sicher noch 50ig Cent." Lachend über soviel Frechheit schüttelte Ilse nur den Kopf und Franziska rief," ne dann bekommen Mama und Papa höchstens von dir 50ig Cent."

"Na habt ihr Hausaufgaben auf?" fragte Lutz beide und schaute sie erwartungsvoll an. "Neeeee, heute ist doch Freitag, Papa, da haben wir doch nie was auf." antworteten beide wie aus einem Mund. "Na super, dann könnt ihr ja Mama den Abwasch abnehmen," grinste er seine Töchter an. Verblüfft schaute Franziska ihn an," uff, das war gemein, uns so reinzulegen." Pfreifend stellte Lutz seinen Teller in die Spüle und ging raus, die beiden Mädels schauten ihre Mutter um Hilfe bittend an. Luise dachte aber gar nicht dran sich weichklopfen zu lassen und stand ebenfalls grinsend auf," viel spaß dabei", und schon war sie weg.

"Eltern", meinten beide genervt.

"Na, sowas dürft ihr aber nicht sagen," tadelte Ilse ihre Enkelkinder," Mama muß nachher noch zur Arbeit, da könnt ihr ruhig mal helfen, oder." Maulend meinten beide ja und schauten Oma aufeinmal ganz liebevoll an. "Du Oma, wir sind doch gleich verabredet, wir haben gaaaaaar keine Zeit, es ist draußen doch so schönes Wetter und wir wollten doch mit Freunden ins Freibad," himmelte Jacqueline Ilse an. "Na dann haut mal ab ihr beiden Rangen, ich mach den Abwasch," lachte Oma sie liebevoll an," hier habt ihr noch jeder einen Euro...aber keinen Ton davon zu Mama,ja."

Luise stand auf dem Flur und dachte lächelnd...Omas.

Liebevoll nahm Luise ihrer Schwiemu den fast noch vollen Becher wieder aus der Hand, als sie sah das sie nichts mehr runterbekam und fragte ob es ihr geschmeckt hat. Nickend schaute Ilse ihr in die Augen und schloß sie dann wieder, sie war so unendlich müde. Mit Tränen in den Augen half Luise ihr sich wieder bequem hinzulegen, sie bettete sie zärtlich auf die Seite, zog ihr die Bettdecke mit streichelnder Geste über die Schulter und ließ die Rollos etwas runter damit Schwiemu besser schlafen konnte. Fast zwei Jahrzehnte waren sie ihre Wege nebeneinander her gegangen, vieles haben sie zusammen erlebt und durchgemacht. Viel schönes, lustiges und manches traurige, so wie vor ein paar Jahren Schwiegervaters Tod. Luise spürte das sie bald auch ihre Schwiemu verlieren würde die ihr Jahrzehntelang eine liebevolle Ersatzmutter gewesen ist. Traurig sagte sie;" gute Nacht und schlaf gut Schwiemu", dann ging sie raus und zog leise die Tür ins Schloß.

"Die alte Frau und das Mädchen"

Eine sehr alte Frau saß am Meer und lauschte den Wellen die an den Strand schlugen, da vernahm sie noch ein anderes Geräusch. Sie drehte den Kopf hin und her um festzustellen wo dieses Geräusch herkam, dann fragte sie warum da jemand weint. Ein paar Meter weiter saß ein Mädchen mit leeren, traurigen Augen und erschrak sehr als es die Worte hörte, es hatte gar nicht bemerkt das da jemand in der Nähe war.

"Magst du nicht zu mir rüberkommen und mir erzählen was dich bedrückt?" fragte die alte Frau. Das Mädchen stand zögernd auf und setzte sich neben sie. Lange schaute das Mädchen die Frau an und fing an zu reden. "Ich dachte ich wäre hier alleine," flüsterte sie," und hier kann ich immer meinen Tränen freien lauf lassen, zu Hause darf ich das nicht, dann gibt es immer großen Ärger." Die alte Frau schaute das Mädchen an und lächelte," ja hier am Meer kann man seine Gefühle loslassen im Meer sind sie gut aufgehoben, keiner wird sie finden wenn Du nicht willst. Es gibt keinen schöneren Ort außer vielleicht noch oben auf einem Berg, wo man die Unendlichkeit genauso gut spüren kann wie hier."

Das Mädchen fühlte sich wohl bei der alten Frau, es spürte das es verstanden wurde. Leise steckte es seine kleine Hand in die vom leben gezeichnete Hand der alten Frau und lehnte sich an ihre Schulter. Dir Frau strich ihr über das Haar und erzählte dem Mädchen von ihrem Leben.  "Ich bin in einer Zeit geboren worden ganz am Anfang der Entstehung, oft gab es tagelang nicht genug zum überleben. Ich mußte frieren und hungern. Es gab keine Wärme, kein Licht, keinen Schutz für mich. Es war ein ständiger Überlebenskampf, so wie deiner jetzt." fing sie an zu sprechen. Dem Mädchen liefen wieder die Tränen übers Gesicht es spürte die verwandte Seele der Frau an ihrer. "Weine ruhig kleines Mädchen, es tut deiner Seele sehr gut all den Kummer, das Leid und den Schmerz rauszulassen, so wie ich vor langer Zeit hier saß und meinen rausließ." tröstete die alte Frau das Mädchen.

"Weißt du immer wieder mußte ich flüchten weil Bomben und Meteroiten auf unseren Planeten fielen,weil eine Eiszeit entstand und vieles mehr, man wußte nie ob die Welt die man kannte um einen herum noch da war, so wie du immer wieder flüchten mußt, weil deine Welt zerstört wird." redete sie weiter. Das Mädchen kuschelte sich in die Arme der alten Frau und fühlte seit langem wieder mal Geborgenheit. "Erzähl bitte weiter," flüsterte es," es tut gut dir zuzuhören."

"Als die Eiszeiten und Kriege zu ende gingen, war meine Welt jedesmal zerstört. Ich hatte kein schönes zu Hause mehr, alles lag in Trümmern und Asche. Nur das Meer war so wie immer, ihm haben die Bomben und alles andere nichts anhaben können. Es lag ruhig da und gab mir Kraft, manchesmal wenn es Stürmte saß ich so wie jetzt du hier und nahm die Kraft in mich auf. Das half mir zurück zugehen und nicht aufzugeben, so wie jetzt bei dir heute," lächelte sie dem Mädchen zu, "lange Zeit wußte ich nicht warum mich das Meer so anzog, ich ging einfach nur jedesmal hierher wenn ich nicht mehr weiterwußte. Wenn ich müde war vom Leben und keine Kraft mehr in mir fand, leben zu wollen."

"Aber so langsam wurde mir im laufe der Jahre klar warum mich das Meer so anzieht, hier zu sitzen gab mir wieder Kraft und Mut, das Meer lebt seit Urgedenken und hat alles gesehen was auf der Welt seit ihrer Entstehung passiert ist. Hat Lebewesen entstehen und verschwinden sehen, hat Eiszeiten und Meteroiten überlebt. Seit Jahrhunderten erträgt es die Menschen die es mit ihrem Gier ausrauben und verseuchen, zerstören wollen. Diese Gedanken helfen mir immer sehr und zeigen mir wie stark etwas sein kann, man darf nur nicht aufgeben." Wir sind ein Teil des ganzen, ein Teil des Kreislaufes, wir werden geboren und wir sterben wieder. Aber an uns liegt es was wir daraus machen, geben wir uns auf oder kämpfen wir. So wie es im Meer Ebbe und Flut gibt, gibt es für Menschen gute und schlechte Zeiten. Wenn wir bereit sind das zu akzeptieren und uns zunutzen zu machen, dann erst können wir was daraus lernen und zum besseren hin verändern," erschöpft legte die alte Frau eine Pause ein. Das Mädchen streichelte mit geschloßenen Augen der alten Frau die Hand und spürte keine Angst mehr vor der Zukunft.

Lächelnd schaute das Mädchen die alte Frau an und sagte, "ich würde dir auch so gerne etwas erzählen, was dir freude bereitet, nur ich weiß nicht was." Die alte Frau drehte den Kopf richtung Meer und erwiderte," erzähl mir von den Farben des Meeres, von den Farben des Himmels. Ich kann sie nicht mehr sehen, weil ich als die Eiszeiten und Kriege endlich vorbei waren und unser Leben wieder so langsam schön wurde, blind wurde, weil ich aufgeben wollte und ich kann mich an die Farben nicht mehr richtig erinnern. Das könntest du für mich tun." "Oh das ist mir gar nicht aufgefallen, deine Augen strahlen so lebendig und schön," sagte das Mädchen betroffen," das tut mir leid." Lächelnd schaute die alte Frau wieder zum Mädchen runter, das in ihren Armen lag und sagte," Das muß dir nicht leid tun, ich habe all das Schöne in meinem Herzen und meiner Seele aufbewahrt. Meine Augen, mögen sie auch blind sein, sind die Tür zu meinem Herzen und meiner Seele und da all das Schön nie vergangen ist in mir können sie auf die Welt strahlen und ihre Farben mit ihr teilen."

Das Mädchen setzte sich auf und schaute über das Meer und fing an zu erzählen, von Farben die so schön waren das man sie spüren konnte. Von den Farben die sich ständig veränderten, weil sie lebten. Von Farben so blau wie die Augen der alten Frau. Von einer strahlenden Kraft die in jede Pore des Körpers eindrang und eine Wärme verteilte die einem Mut und Kraft gaben. Von Farben die in jeder Nuance des Regenbogens leuchteten und die sich in ihren Augen wiederspiegelten weil das Mädchen sie in ihr Herz und ihrer Seele aufnahm. Lächelnd stand die alte Frau auf und ging leise weg, als das Mädchen sich umdreht um die Frau anzuschauen sah sie noch wie sich die Frau langsam in leuchtenden Farben auflöste und rief hinterher," Wer bist du und seh ich dich wieder?"

Der Wind brachte dem Mädchen die Antwort," Ich bin die Natur, so alt wie die Welt selber. Ich bin ein Teil von dir und werde immer ein Teil deiner Zukunft sein, so wie ich auch immer ein Teil deiner Vergangeheit war. Ich war immer bei dir und werde immer bei dir sein, du bist nie alleine." In jedem Grashalm, jedem Sandkorn, in jedem Tropfen Wasser wirst du mich sehen und in deinen Augen finden. Ich bin du und du bist ich."

"Wo Ebbe und Flut sich treffen"

"Duuuu, wo treffen sich eigentlich die Ebbe und die Flut?" fragte ein junger Delfin seine große Schwester eines Tages. Irrietiert schaute seine Schwester ihn an," wie bitte?" "Na wo treffen die beiden sich eigentlich im Meer?" fragte der junge Delfin nochmal," irgendwo müßen sie sich doch begegnen wenn sie sich am Strand abwechseln. Ich beobachte das jetzt schon seit Tagen aber ich kann nicht sehen wo sie sich treffen." Die Schwester meinte lachend," na du kannst fragen stellen, woher soll ich das denn wissen. Darüber habe ich noch nie nachgedacht." Grimmig schaute der junge Delfin seine große Schwester an weil sie ihn auslachte und meinte," dann bist du aber für ein große Schwester sehr dumm." Drehte sich um und verschwand. Verblüfft schaute sie ihrem kleinen Bruder hinterher und schüttelte den Kopf.

Der junge Delfin schwamm zu seinem Onkel und stellte ihm die gleichen Fragen, aber auch der Onkel wußte es nicht. Da fragte der junge Delfin alle die er traf ob jemand wüßte wer so schlau und weise war um ihm seine Fragen beantworten zu können. Noch nie war ein Delfin auf die Idee gekommen sich zu fragen wo die Ebbe und die Flut sich trafen und daher wußten sie nicht wer so schlau und weise sein könnte. Als der junge Delfin die ältesten Delfinin in seiner Familie traf, fragte er sie auch danach. Sie schaute den jungen Delfin an und meinte," Darüber habe ich noch nie nachgedacht, aber deine Fragen sind berechtigt. Hm, ich kenne einen Seelöwen der schon sehr sehr alt ist, noch viel älter als ich. Frag ihn danach, vielleicht weiß er die Antwort ." "Wo finde ich den alten Seelöwen?", fragte der junge Delfin die alte Delfinin. Die Delfinin zog überlegend ihre Stirn in Falten und antwortete," Ich habe ihn schon lange nicht mehr getroffen, aber früher lag er immer da hinten, hinter der Landzunge, in einer Bucht. Dort liegt ein großer Felsen im Wasser, auf diesem legte er sich früher immer zum sonnen drauf." Der junge Delfin flitze los und kam nach ein paar Metern zurück geschwommen. "Danke," rief er atemlos und schon flitzte er wieder los. Lächelnd schaute die alte Delfinin hinter ihm her und fragte sich woher der junge Delfin seine Neugierde her hat.

Atemlos und ganz aufgeregt kam der junge Delfin in der Bucht an und war sehr enttäuscht als er den ganz alten Seelöwen nicht auf dem Felsen fand. Wartend schwamm er um ihn herum und hielt ausschau nach dem Seelöwen. Als die Mittagssonne langsam ihren höchsten Stand erreichte sah der junge Delfin den Seelöwen wie er angeschwommen kam. "Was machst du denn hier Kleiner," fragte der Seelöwe den jungen Delfin," solltest du nicht bei deiner Familie sein?" "Nö, die wissen wo ich bin und so klein bin ich nun auch wieder nicht mehr," maulte der junge Delfin. "Nu sei mal nich gleich so empfindlich," lächelte der Seelöwe den jungen Delfin an," wie heißt du denn eigentlich?" "Ich heiße Bastian und Du?" fragte der junge Delfin den alten Seelöwen. "Meine Name ist Albert," stellte sich der alte Seelöwe mit einer kleinen Verbeugung vor," warum bist du denn zu mir gekommen, oder hat dich jemand geschickt weil etwas passiert ist?" "Nein es ist nichts passiert aber die älteste Delfinin aus unsere Familie sagte mir das du vielleicht meine Fragen beantworten kannst und deswegen bin ich hier," antwortete Bastian lachend weil er die Verbeugung lustig fand.

Albert machte es sich auf seinem Felsen bequem und sagte," na dann stell man deine Fragen." "Ich will wissen wo sich die Ebbe und die Flut treffen, bevor sie sich am Strand abwechseln, aber keiner konnte mir diese Frage beantworten," meinte Bastian. Hoffnungsvoll schaute er Albert an," aber vielleicht kannst du sie mir ja beantworten." Gedankenverloren blickte Albert zum Strand," das ist gar nicht so leicht, Bastian. Manche Dinge bleiben uns für immer ein Rätsel und die Antwort werden wir nie finden. Es gibt so vieles was wir Lebewesen nicht verstehen und sind ständig auf der Suche nach den Antworten. Das ist auch gar nicht falsch, nur wer fragt wird vielleicht Antworten finden. Sachen die man nicht versteht sollte man immer hinterfragen sonst kann es passieren das man die gleichen Fehler immer wieder macht, weil man nichts dazu gelernt hat." "Ja das verstehe ich," meinte der junge Delfin," aber das beantwortet noch nicht meine Frage." "Na du bist aber ungeduldig, junger Mann," erwiderte Albert lächelnd, "Dann werde ich mal versuchen sie dir zu beantworten." Aufgeregt wedelte der junge Delfin mit seinen Flossen im Wasser, so das kleine Wellen entstanden und den Felsen naß machten.

"Warst du schonmal nahe beim Strand im Wasser?" fragte Albert den jungen Delfin. "Ja aber nur ganz kurz, meine Mama ist sehr ängstlich und passt immer so doll auf mich auf," grinste Bastian Albert an," es ist gar nicht so leicht ihr mal zu entwischen." Darüber mußte Albert lächeln aber gleich darauf sagte er zu dem jungen Delfin," Bastian, deine Mama hat recht, es gibt so viele gefahren im Meer da muß sie so doll auf dich aufpassen, damit dir nichts passieren kann." "Ja ich weiß," brummelte Bastian und verzog den Mund dabei," nun erzähl mir lieber wo sich Ebbe und Flut treffen, ja." Lachend weil der Kleine so neugierig war versuchte Albert dem jungen Delfin zu erklären wo und wie sich Ebbe und Flut trafen.

"Die Ebbe und die Flut können sich gar nicht treffen, sie bilden eine Einheit und sind eigentlich eins. Nur Nahe am Strand kann man spüren das sie trotzdem unterschiedlich sind, so ungefähr zwei bis vier Meter vom Strand ins Wasser hinein. Wenn Du da im Wasser flach schwimmst, spürst du das obere Wasser warm, aber unter dir da ist das Wasser kalt. Das obere gehört zur Ebbe, es ist so warm weil es die ganze Zeit im flachen Wasser und in kleinen Pfützen lag und das untere ist die Flut sich unter dem warmen Wasser nach vorne zum Strand schiebt um die Ebbe wieder abzuholen. Sie treffen sich eigentlich nicht, sie waren ja schon immer zusammen, das müssen sie auch, sonst könnte das Leben, was von Ebbe und Flut abhängig ist nicht überleben. Auch muß die Flut immer wieder zurück kommen um all die kleinen und größeren Fische wieder abzuholen, die sich in der Ebbe verschwommen haben." erzählte Albert. "Würden sie nicht so gut zusammen arbeiten, würde alles Leben in ihnen sterben. Stell Dir vor es gäbe nur die Ebbe, dann würden all die kleinen und größeren Lebewesen in ihr sterben, weil so nach und nach der Sauerstoff im Wasser immer weniger würde. Oder es gäbe nur die Flut, dann könnten all die Lebewesen in der Ebbe nicht mehr ihre Nahrung finden und müßten verhungern."

Sinnend machte Albert eine Pause und schaute den jungen Delfin an. "Ja das verstehe ich, aber warum wird es dann von den Menschen Ebbe und Flut genannt?" fragte Bastian weiter," wenn sie doch eigentlich eins sind." "Tja die Menschen erfinden immer komische Namen, für etwas was sie nicht verstehen," antwortete Albert," sie müssen allem einen Namen geben und können sich so einbilden, alles verstehen zu können. Die Augen der Menschen sind nicht so gut ausgebildet wie die Augen der anderen Lebewesen und alles was sie nicht sehen können macht ihnen Angst, aber wenn sie dem Unsichtbaren einen Namen geben nimmt ihnen das die Angst. Vor langer Zeit waren die Menschen weiser und konnten noch alles in der Natur sehen, sie gingen sehr sorgsam und liebevoll mit allem Leben auf der Erde um. Sie bedankten sich noch für die Nahrung die ihnen die Mutter Natur gab, aber so im laufe der Jahrhunderte wurden die Menschen immer rücksichtsloser und nahmen sich mehr Nahrung und anderes als sie wirklich zum Leben brauchten. Viele Lebewesen starben deswegen aus, da nahm die Natur den Menschen die gute Sehkraft. Indem sie den Menschen die Möglichkeit nahm, die Kleinsten unter uns, die sehr verletzlich sind, sehen zu können. Dadurch konnte sie die Kleinsten unter uns vor den Menschen beschützen."

"Hm, dann ist die Ebbe und die Flut also nur ein Kreislauf des Meeres um die Kleinsten von uns ernähren zu können, ohne das die Menschen bedrohlich für sie werden können." meinte der junge Delfin fragend. "Ja so könnte man es auch sagen," antwortete Albert geduldig dem jungen Delfin," aber dazu gehört noch viel mehr, ohne die Sonne und den Mond die der Natur dabei helfen, würde sie es nicht schaffen können. Die Sonne und der Mond helfen dabei indem sie mit ihrer Anziehungskraft das Wasser hin und her bewegen. Dadurch ensteht an der einen Küste Ebbe während an der gegenüberliegenden Küste gleichzeitig die Flut kommt. Alles zusammen könnte ohne das andere nicht existieren. Nur wenn man miteinander die Erde sorgsam und fürsorglich behandelt kann die Natur überleben und uns ernähren. Leider hat der Mensch das im Laufe seiner Jahrhunderte vergessen. Wir teilen gerne mit allen Lebewesen, aber die Menschen wollten immer mehr, fingen an nur zu ihrem Vergnügen andere Lebewesen umzubringen oder einzufangen. So starben viele Lebewesen und Pflanzen auf der Erde aus und der Natur fällt es immer schwerer einen Ausgleich dafür zu schaffen."

Traurig schaute der junge Delfin zum Strand rüber und schaute den Menschen zu wie sie da in der Sonne lagen oder spielten und im Wasser schwammen, traurig meinte er," das finde ich schade, ich wußte gar nicht wie dumm die Menschen sind. Ich dachte immer sie wären so viel schlauer als wir anderen Lebewesen." "Ja das denken viele von uns, die die Menschen Tiere nennen," meinte der alte Seehund," deswegen haben sie auch schon vor langer Zeit aufgegeben den Menschen einhalt zu gebieten. Es gibt zwar auch viele Menschen die versuchen uns zu helfen in dem sie zum beispiel Naturschutzgebiete einrichten, aber leider gibt es immer noch viel mehr dümmere Menschen als schlaue unter ihnen. Ich glaube das wird noch lange dauern bevor alle Menschen zur Natur zurückfinden und begreifen das sie ohne uns selber nicht Überleben können, bevor sie begreifen das kein Lebewesen höher steht als ein anderes, aber bis dahin werden noch viele andere Lebewesen von der Erde aussterben. Solange die Natur aber nicht aufgibt und immer wieder neues Leben schafft, denke ich haben wir eine Cance, den Tag noch zuerleben." "Danke," sagte Bastian lächelnd zu dem alten Seelöwen," danke das du mir all das erklärt hast." "Danke mir nicht, versuche was zu ändern, das ist der beste Dank," lächelte Albert zurück. Der kleine Delfin winkte nochmal und schwamm zu seiner Familie zurück um ihnen all das zu erzählen was er von dem alten Seelöwen erfahren hatte.

Seit dem Tag erzählten sich die Fischer von Delfinen die ihre Netze aufrissen um die Fische zu befreien und wollten gegen die Delfine etwas unternehmen, aber das ließen die Landmenschen nicht zu. Denn seit diesem Tag passierte es auch, das Delfine Menschen vor dem ertrinken retteten und kranken Kindern halfen ihre meistens unheilbaren Krankheiten zu erleichtern und zu lindern.

"Ein kleiner Spiegel erzählt von der wahren Schönheit"

Irgendwo in einem alten Haus, in einem kleinen Zimmer stand ein Schminktisch. Es war ein alter verstaubter Schminktisch, vergessen von den Menschen denen er irgendwann mal gehört hatte. In dieses Haus zogen eines Tages junge Menschen ein, eine kleine Familie die sich kein großes und neues Haus mehr leisten konnten aber sich sofort in dieses alte, kleine Häuschen verliebt hatten. Als die Frau aus der kleinen Familie den alten Schminktisch sah, fand sie ihn einfach nur schön und freute sich das ihn jemand vergessen haben mußte. Sie nahm sich Putzzeug und reinigte den Tisch bis er wieder in altem Glanz erstrahlte, der Spiegel des Tisches war schon sehr alt aber auch er erstrahlte zu neuem Leben wenn er auch an manchen stellen Blind war, aber das machte seine Schönheit erst für die Frau aus. Die Frau, ich nenne sie einfach mal Martha, räumte ihre Schminke und alles andere auf den Tisch, sortierte alles sehr schön auf dem Tisch und war begeistert. Da lag auf dem Tisch außer ein bißchen Wimperntusche keine Schminke, nur eine Haarbürste, ein kleiner Kamm,ein kleiner Handspiegel, etwas Schmuck und so liebevolle, kleine Geschenke ihrer Tochter an sie. All das war nicht wertvoll und alt, sondern gebraucht und preiswert aber sie hing daran und das machte es wertvoller als alles Gold der Erde für sie. Als es Abend wurde und die kleine Familie sich eingerichtet hatte gingen sie zu Bett, aber beim Schminktisch war eine kleine Lampe vergessen worden auszumachen und so strahlte ein kleines Licht auf den großen und den kleinen Spiegel.

Da sprach der große, alte Spiegel zu dem Kleinen," Herzlich willkommen hier auf meinem Tisch." "Danke," lächelte der kleine Spiegel zurück. "Ich dachte schon hier ins Haus würde nie wieder jemand einziehen," fing der große Spiegel an zu reden," dachte ich müßte hier für immer alleine im dunklen stehn." "Wir konnten uns nichts anderes leisten," erzählte der Kleine," aber das Haus hier ist wunderschön. Meine kleine Familie hat nicht viel Geld, aber sie sind trotzdem glücklich." Sinnend schaute der große Spiegel den Kleinen an," Die Frau sieht sehr müde aus, so als wenn sie schon zuviel erlebt hat, wie heißt sie?" "Martha," antwortete der kleine Spiegel ihm," sie hat es auch nicht leicht, immer wieder muß sie mit den Vorurteilen der anderen Menschen fertig werden. Sie hat mal sehr frisch ausgesehen mit all der Schminke und so, doch seit dem Unfall das ihr Kind verunstaltet hat, ist alles anders gekommen." "Wie das?" fragte der große Spiegel. "Ihr Kind, das Maria heißt, wurde bei einem Autounfall sehr böse verbrannt. Seitdem ist Marias Gesicht voller Narben, sie hatte keine Augenlider und keine Nase mehr, Martha hat ihr ganzes Geld verbraucht um für Maria die besten Ärzte und so zu bekommen. Die konnten Maria aber nur zum teil helfen. Martha war vorher ganz anders, sie hatte viel Schminke und viel Schmuck, schöne Kleider und alles was die Gesellschaft als wertvoll und schön ansieht. Martha war doch sehr oberflächig und leider hat sich das erst geändert, als Maria den Unfall hatte. Da ist Marthe im laufe der Zeit klar geworden worauf es wirklich ankommt, als all die schönen Freunde und ihr Mann sich von ihr und Maria abwendeten weil sie den Anblick von Maria nicht ertragen konnten, nämlich das es auf das innere eines Menschen ankommt und nicht auf den Schein den sie nach außen darstellen."

"Sie sieht aber immer noch sehr schön aus, viel schöner als mit all der Schminke und Oberflächigkeit die sie vorher nach außen dargestellt hatte," erzählte der Kleine weiter," Maria war auch ein sehr schönes kleines Mädchen, Martha putzte sie mit schönen Schleifen im Haar und schönen Kleidern raus, aber das war nur eine Maske für all die anderen. Manchesmal gab es ärger, wenn Maria sich schmutzig machte. Aber beide haben eine Schönheit erreicht die mit keiner Schminke und keiner schönen Kleidung und schönem, teurem Schmuck zu erreichen ist, sie strahlen eine innere Schönheit aus die man nicht kaufen kann, die kann man nur erreichen mit Menschlichkeit." "Ja das kenne ich," sagte der große Spiegel," wieviele Frauen haben hier schon vor mir gesessen und ihre leeren Hüllen mit Schminke und so angemalt, man sah ihnen an das sie das nicht wirklich waren, aber sie ließen sich von irgendwas vorschreiben, das sie nur so schön und liebenswert sind. Ich sah die Traurigkeit und Einsamkeit in ihren Seelen, den mit all dem konnten sie ihre Seelen nicht wirklich glücklich machen. Leider waren sie aber so stark von dem Klischee geprägt das sie keinen Ausweg sahen und fanden. Ich konnte im laufe ihres Lebens sehen wie sie immer mehr Schminke und alles brauchten um ihre Masken für die Gesellschaft aufrecht erhalten zu können, aber innerlich wurden sie immer leerer."

"Ja auf dem Weg war Martha auch schon," antwortet der kleine Spiegel," sie lebte für die Schönheit die in Zeitschriften und im Fernsehen vorgelebt wurde. Maria wurde auch da reingequetscht. Die beiden haben seit dem Unfall eine menge schmerzvolles erfahren, es war grausam mitzuerleben wie sie ausgestoßen und gemieden wurden, wie sie isoliert nur noch sich hatten.

Maria wurde von anderen gequält und verspottet, keiner sah wie sehr ihr das weh getan hat, alle haben sich nur lustig über ihr aussehen gemacht ohne wissen zu wollen warum sie so aussieht. Wie oft habe ich Martha nachts weinen hören weil sie Maria nicht davor beschützen konnte und wie oft hat Maria geweint weil sie nicht verstand warum sie aufeinmal nicht mehr von anderen akzeptiert wurde." "Früher, als ich noch neu war, habe ich auch nur dieses oberflächliche gesehen, sehen wollen," erzählte der kleine Spiegel weiter," ich wurde von so einem jungen Mädchen gekauft, das immer mit der Mode ging, das immer nach dem neusten Stil gekleidet und geschminkt war. Ich war stolz auf meine Besitzerin, aber so langsam begriff ich wie oberflächlich und gleichgültig sie war. Wie sie voller Spott auf andere Menschen, die nicht so makellos ausahen hinab sah und sich lustig über diese Menschen machte, da fing ich an mich für sie zu schämen. Irgendwann war ich ihr nicht mehr schön und wertvoll genug, da hat sie mich auf einem Flohmarkt verkauft. Traurig darüber war ich weißgott nicht, ich hoffte nur das mich jemand kaufte der wirklich schön war, der innerlich schön war."

"Und, ging dein Wunsch in Erfüllung," fragte der große Spiegel weiter. "Nein nicht sofort, ich habe noch einigen solcher Menschen gehört, bevor ich an Matha verkauft wurde. Sie hatte mich für Maria gekauft, ein paar Wochen bevor der Unfall passierte, damit die Kleine lernen konnte wie man sich schminkt um schön und wertvoll für die Gesellschaft zu sein. Aber bevor es soweit war, passierte der Unfall, Maria hat sich lange nicht getraut in einen Spiegel zu schauen hinterher. Ich lag monatelang nur rum und sah was mit ihnen passierte, wie sie sich veränderten. Erst verkrochen sie sich zu Hause, trauten sich kaum raus, dann kam eine alte Frau zu besuch. Sie gehört so einem Verein an, deren Kinder auch vor langer Zeit verunstaltet wurden, durch Unfälle oder Krankheiten und so. Diese alte Frau erzählte Martha von ihrem Leben, von ihrem Kampf für ihr Kind, damit ihr Kind selbstbewußt sich ihrer ihr eigenen Schönheit klar wurde. Die alte Frau nahm mich in die Hand, setzte sich neben Maria und erzählte ihr das ich ein Zauberspiegel bin, der Maria so gerne ihre eigene wirkliche Schönheit zeigen will. Maria zögerte erst aber dann schaute sie mit der alten Frau zusammen bei mir rein, die Sonne half mir, sie schickte ihre Strahlen, die sich in den Augen von Maria wiederspiegelten, ihre Augen leuchteten mit den Strahlen um die Wette. Maria lachte und sah auf ihre ihr eigenen, inneren weise wunderschön aus.

Das gab Martha Kraft auch für Maria zu kämpfen, das erste was sie machte, war ihre ganze Schminke und die ganzen Zeitschriften wegzuschmeißen. Dann kaufte sie ganz viel Stoff und eine Nähmaschine und zusammen mit Maria nähten sie Kleidung die nur sie hatten, Kleidung die sie einzigartig machten. In dem ganzen Haus wurden die teuren Standartmöbel verkauft, weil sie ja Geld für Maria brauchte, dafür klapperten sie die Flohmärkte ab, oder kauften Holz und bauten ihre eigenen Möbel," erzählte der kleine Spiegel weiter," sie kaufte auch viele Spiegel die sie überall in den Zimmer aufhängte oder stellte, alles Zauberspiegel die Maria wieder fröhlich machten. Maria mußte viele Operationen über sich ergehen lassen, heute sieht man die Narben nicht mehr so stark und sie hat neue Augenlider und eine neue Nase bekommen. Martha mußte das große Haus verkaufen, wenigstens etwas was der Mann ihr gelassen hat um Maria helfen zu können, wir waren in Amerika wo sie mehrmals operriert wurde. Als wir wieder zurück kamen fand Martha dieses Haus und jetzt wohnen wir hier. Martha und Maria haben ihr Lachen wiedergefunden und ich bin der alten Frau sehr dankbar dafür. Es gibt nichts schöneres als dem lachen der beiden zu lauschen. Hier in der Nähe wohnt die alte Frau mit ihrer Familie und die Enkelkinder haben sich schon mit Maria angefreundet, ihnen ist egal wie Maria aussieht, sie sehen die wirkliche Schönheit von ihr."

So verging die Nacht und als der Morgen kam hörte man ein glückliches Kinderlachen durch das Haus und eine Frau die wieder fröhlich Lieder vor sich hinpfiff. Maria kam ins Schlafzimmer gerannt und sagte guten Morgen ihr Zauberspiegel.

"Das kleine Glück am Wegesrand"

Ich ging so den Weg meines Lebens, war genervt, traurig und frustriert. Alles war grau in grau, wo ich auch hinschaute, kein Licht war zu sehen und keine Wärme zu spüren. Wer ich bin...fragt Ihr, ich bin keiner und alle die dem großen Glück hinterherrennen. Ständig auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Tja und so lief und lief ich immer weiter.

Da sah ich am Wegesrand etwas aufblitzen, neugierig ging ich näher, wollte sehen was da so leuchtet. Es sah aus wie ein Diamant, nein wie ein Geldschein oder doch eher wie Schmuckstück, das verwirrte mich etwas. Es sah schön aus und ich wollte es aufheben, doch da flatterte es ein Stück weg von mir.  "He bleib hier" sagte ich erstaunt, "lauf nicht weg." "Ich will aber nicht von dir angefasst werden", meinte dieses winzige Blitzen zu mir. Erstaunt schaute ich das kleine Ding an, "du kannst ja reden."

"Ja kann ich und ich habe schon oft versucht dich anzusprechen, aber du wolltest mich nicht hören", erwiderte es. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus und hockte mich neben den Winzling, der so schön blitzte. "Und warum kann ich dich dann jetzt hören?" fragte ich es. "Vielleicht weil du jetzt endlich so weit bist, mich spüren und empfinden zu wollen." lächelte es mich an. Fragend schaute ich es an,"Was bist du eigentlich, du siehst aus wie ein Diamant aber gleichzeitig auch wie ein Geldschein und Schmuckstück aus."

"Ich bin das was du sucht bzw. das was du meinst suchen zu müssen was dir dein großes Glück bringt," erwiderte es, "in meiner wahren Gestalt wolltest du mich nie sehen, deswegen hab ich mich verkleidet." "Das versteh ich nicht," antwortet ich dem kleinen Ding," und warum sollte ich dich jetzt empfinden wollen?" "Weil du schon so lange auf der Suche nach dem großen Glück bist und so langsam begreifst das es so vielleicht nicht zu finden ist" grinste es mich frech an. "Schlaumeier und wie sollte ich es sonst finden können, wie heißt du überhaupt?" fragte ich es. "Ich bin das kleine Glück und sehe schon seit Jahren das du immer an uns vorbeiläufst, ohne uns zu sehen." hüpfte es um mich herum.

Verwirrt schaute ich zu wie es vor mir hin und her hüpfte. Es blitzte und leuchtete mir in die Augen, aber ich konnte immer noch nicht erkennen was es wirklich war. "Warum bist du alleine, gibt es noch mehr von dir?" fragte ich neugierig. "Es gibt ganz viele von mir, Tausende, ne was sag ich Milliarden von uns." lachte es vergnügt,"ich bin nie alleine, so wie du." "Ich bin alleine weil mir viel grausames passiert ist und ich nicht mehr vertrauen kann", meinte ich schon etwas wütend. So unverblümt hatte mir noch nie jemand sowas ins Gesicht gesagt und schon gar nicht so ein Winzling. "Aber ich hab doch recht,"schüttelte es den Kopf, "du bist alleine weil du dir selbst im Weg stehst."

Na toll dachte ich, sitze hier und laß mir von so einem Winzling solche Sachen auf den Kopf zusagen. "Wo sind den die anderen alle, von denen du eben erzählt hast?" fragte ich schon ziemlich sauer. "Schau dich mit offenen Augen um und du wirst sie sehen," strahlte es mich an. Ich schaute mich um und nahm alles was an meinem Wegesrand grau in grau lag in Augenschein, aufeinmal blitzte und blinkte es nur so auf. Überall sah ich tausende von kleinen Lichtern auftauchen die in allen Regenbogenfarben leuchteten.

Erstaunt drehte ich mich um und fragte, "Wieso kann ich immer noch nicht erkennen wer ihr wirklich seit?" "Du mußt deine Augen, deine Ohren, deine Tastsinne wirklich aufmachen und deine Seele öffnen die du vor langer Zeit in dir eingesperrt hast weil dein Glück dich verlassen hat," meinte es nur. Zitternd weil ich langsam Angst bekam versuchte ich mich wirklich zu öffnen und zu glauben das ich dem Winzling vertrauen kann. Langsam ließ ich meinen inneren Gefühlen freien lauf und öffnete die Tür zu meiner Seele. Da hüpfte das kleine Glück auf meine Hand und verwandelte sich in eine Träne. "Ich bin deine Träne die Du vor langer Zeit ohne es zu merken verloren hast, weil du das Schöne um dich herum nicht mehr sehen, fühlen, spüren und empfinden konntest,"lächelte sie mich an," schau was sich noch alles ändert."

Ich schaute mich mit offenen Augen um und sah wie sich so nach und nach alle kleinen Lichter in ihre wahre Gestalt zurück verwandelten. Da waren aufeinmal viele bunten Farben zu sehen, Schmetterlinge, Käfer, Blumen, Grashalme, Wolken, Bäume, ein kleiner Bach und vieles mehr. Ich saß zwischen all dem schönen und fühlte aufeinmal mein Glück, das alles spüren, fühlen, hören und empfinden zu können.  Mir liefen die Tränen übers Gesicht, weil ich begriff das all das Schöne um mich herum schon immer da war und ich es nur lange Jahre nicht mehr sehen und spüren konnte. Da streichelte mir der Wind übers Haar, ein kleiner Vogel zwitscherte für mich seine Melodie, die Sonne gab mir Wärme und strahlte mit allen um die Wette. Ich fühlte mich geborgen wie lange schon nicht mehr und wußte ich brauch nicht nach meinem großen Glück suchen. All das Schöne des Lebens zusammen ist mein großes Glück.

Die kleine Träne lächelte mich ganz lieb an und sagte,"Ja das alles war immer um dich herum und hat versucht sich bemerkbar zu machen, wenn du über das Gras gingst streichelte es dich, wenn du an einem Baum vorbei gingst spendete er dir seinen Schatten. Die Schmetterlinge haben nur für dich ihren Reigen getanzt und vieles mehr. Nun laß mich runter und meine Kamaraden und ich können in den Kreislauf des Lebens zurückkehren, wir wissen nun das du alles das sehen, hören, fühlen und empfinden kannst. Du wirst es nicht mehr verlieren auch wenn es dir ab und zu noch schwer fallen wird es anzunehmen, werden wir dir dann jedesmal wenn du weinst, dir die Erinnerung daran bringen." Langsam ließ ich meine Träne runtergleiten zu den anderen die den Boden schon berührten und sah zu wie sie im Boden versanken. Da wuchs an dieser Stelle eine kleine weiße Blume die mich anlächelte und sagte,

"Willkommen in deinem großem Glück".

 

 

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