Eine Erinnerungsseite über und für meinen Sohn...

Hier habe ich auch seine bzw. unsere Geschichte reingesetzt...es war einer der grausamsten und einsamsten Tage und Nächte in meinem Leben, den/die ich durch machen mußte...als ich ihn verloren habe.

Vieles habe ich in Gedichten verarbeitet...seit geraumer Zeit gestalte ich auch Karten dazu.

Unsere Geschichte habe ich bewußt ganz nach unten gesetzt...

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28 Jahre ist es jetzt her...(20.11.2015)

World wide candlelighting ...am 13.12.2015

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Der Tag, die Nacht…die ich nie vergessen werde..

Es war ein Donnerstag, der 19.11.1987…seit Tagen spürte ich keine Bewegungen in meinem Bauch, ich machte mir aber keine Sorgen…es war ja mein erstes Kind. Doch dann, Nachmittags, bekam ich höllische Unterleibsschmerzen. Sie waren so schlimm das ich mich kaum noch auf den Beinen halten konnte, ab zum Frauenarzt…nach einer kurzen Untersuchung sah ich es seinen Augen schon an, der Blick aus seinen Augen zerriß mich innerlich, brannte sich in meine Erinnerungen rein.

Mein Baby war tod, gestorben in meinem Bauch…

Sofort ins Krankenhaus…und dann kam die Hölle…die einsamte grausamste Nacht in meinem Leben. Mein damaliger Freund brachte mich rein, ich wurde sofort noch mal untersucht zur Kontrolle ob die Diagnose stimmt.

Der Arzt und mein Freund redeten über das Ultraschallbild als wenn es nur ein Foto wäre…redeten gefühllos über mein Baby als wenn ich nicht da wäre. Als mein Freund für sich geklärt hatte das unser Baby wirklich tod war…lief er weg, ich schaute einfach nur sprachlos hinterher als er sich mit den Worten verabschiedete „er muß jetzt zur Arbeit“…und mich mit „unserem“ toten Baby im Stich ließ.

Wie gerne wäre ich auch einfach nur weg gelaufen...

In meinem Zimmer, wo ich alleine lag, war es still…so verdammt still…eine Schwester kam rein und erklärte mir kurz das ich ab jetzt stündlich eine schmerzstillende und eine wehentreibende Spritze bekommen würde. Nichts weiter, keine Erklärungen, keine Hilfe…niemand blieb bei mir…nur die Schmerzen wurden schlimmer, die Wehen setzten ein. Ich lag da hilflos voller Angst alleine, was passiert jetzt mit mir, was mit meinem Baby? Stunde für Stunde kam nur eine Schwester rein, gab mit kommentarlos die Spritzen und ging wieder raus…auf meine Fragen, mein weinen, schreinen…und flehen…kam nichts, nur ein Schulterzucken mit dem Vermerk darüber dürfte nur der Arzt mit mir reden, ja welcher Arzt denn verdammt nochmal?

Freitag, der 20.11.1987…mein 21 Geburtstag…ich kann diese einsame Nacht kaum beschreiben…wie grausam sie war…wie alleine ich mich gefühlt habe. Aber mitten in der Nacht hörte ich eine weibliche Stimme, mein Zimmer war durch einen kleinen Vorhang mit meinem Nachbarzimmer verbunden…dort lag eine Frau, die mir mit leisen Worten Trost zu sprach, sie ist Nachts nach ihrer OP dort hingebracht worden…ich weiß bis heute nicht wer diese Frau war…aber sie hat mir in der Nacht das Leben gerettet, hat mich davor bewahrt nicht völlig durch zu drehen, verrückt zu werden…ich kann nicht beschreiben wie dankbar ich dieser Frau bis heute bin.

Irgendwann um kurz nach zwei Nachts…mußte ich mal und klingelte nach der Schwester, die mir eine Bettpfanne unterschob und wieder das Zimmer verließ. Ich spürte das irgendwas nicht stimmt und zog mich hoch…dort in der Pfanne lag mein Baby…ich weiß nur noch das ich schrie und schrie und schrie…aufeinmal kamen drei Schwestern rein, wovon mich zwei nach hinten drückten und die dritte mein Baby mitnahm. Das war das einzige und letzte mal das ich mein Baby gesehen habe. Ich lag weiter alleine, einsam und voller Schmerzen im Zimmer…bekam weiterhin schmerzstillende Mittel. Morgens wurde ich dann gegen acht Uhr vor den OP-Bereich geschoben??? Ich lag da frierend fast zwei Stunden…und wußte nicht mal warum?

Dann kam mein Frauenarzt…als er mitbekam wie man mich die ganze Nacht behandelt hatte, ist er sehr wütend geworden...er erklärte mir auch endlich warum ich operiert werden mußte, meine Plazenta hatte sich nicht gelöst und mußte ausgeschabt werden. Nach der OP kam ich wieder in mein Zimmer, nach ein paar Stunden durfte ich aufstehen…ich ging raus und stand fassunglos da, ich lag auf der Neugeborenenstation und sah Mütter mit ihren Babys über den Flur laufen. Mein Freund kam kurz zu Besuch und dann kam mein Vater, der auf mein weinen nur meinte…ich soll mich nicht so anstellen es war doch bloß ein Fötus. Ich weiß nur noch das ich durchdrehte, das mein Vater aus dem Krankenhaus flog und ich mein Zimmer nur noch Nachts verlassen habe.

Bastian war nicht bloß ein Fötus, ich war ca. Ende des sechsten Monats als er an meinem Geburtstag tod zur Welt kam...

Irgendwann kurz vor meiner Entlassung,fragte ich eine Schwester was mit meinem Baby passiert ist…völlig gefühllos bekam ich zur Antwort… „entweder wurde es anonym Beerdigt oder anderweitig entsorgt“. Der einzige Mensch der mich in dieser Woche in den Arm nam und mich trösten wollte, so gut er konnte, war mein Frauenarzt…der auch etwas machte was er eigentlich nicht durfte…es sagte mir das ich einen Sohn bekommen hätte…so konnte ich meinem Baby wenigstens seinen Namen geben…Bastian. Nach dieser Woche kam ich in eine halbgeschlossen Psychatrie…einen Monat lang hat eine Psychaterin versucht mir zu helfen, aber ich konnte nicht darüber reden, ich war verstummt…erst ca. 12 Jahre später fing ich langsam an das alles zu verarbeiten…zu reden.

Viele Jahre kam immer wieder der selbe Albtraum, wo ich auf einer Müllhalde meinen Sohn weinen hörte und ihn nicht finden konnte. In dem Traum stehe ich vor dieser Müllhalde und höre ein Baby weinen, ich versuche hin zu kommen um ihm zu helfen, erkenne das es mein Sohn ist. Kämpfe mich durch den ganzen Müll, aber mit jedem Schritt den ich ihm näher komme entfernt er sich immer mehr. Müde, voller Wut und Angst bleibe ich stehen und schreie los von diesem schreien wurde ich dann wach. Schweißgebadet und voller Schuldgefühle weil ich ihn nicht retten konnte, lag ich im Bett. Es hat Jahre gedauert bis ich mir selber verzeihen konnte ihn verloren zu haben und erst nach Tagen eine Schwester gefragt zu haben was mit meinem Baby gemacht haben.

Über 12 Jahre verleugnete ich ihn, spaltete ab das es ihn je gegeben hat, spielte die Rolle einer glücklichen Mutter zweier Töchter. Oft so gut das ich es selber tatsächlich nicht mehr wußte. Feierte meinen Geburtstag für alle anderen als den glücklichsten in meinem Leben, bis ich zusammen brach.

Ich fing an in Form von Gedichten unsere Geschichte aufzuschreiben, zu erzählen. Zu beschreiben wie es mir ging, wie ich mit meiner Trauer umging und fertig wurde. Schrieb über meine Schuldgefühle, Wut und Ängste in Gedichtform. Schrieb über meine Sehnsucht in Gedichten und Kurzgeschichten.

Ich schrieb mich frei und so nach und nach lernte ich zu mir und meiner Geschichte und meinem Sohn zu stehen. Es gab Menschen in meinem Leben die mit den Sätzen „wer weiß wofür es gut war“ oder „stell dich nicht so an, es ist doch schon so lange her“ Wunden aufrissen die sich bis heute nicht wirklich schließen.

 

So wie mir, oder ähnlich, ist es vielen Frauen ergangen…die damals ihr Baby verloren haben. Mittlerweile hat sich viel verändert, man darf sich von seinem Baby verabschieden, Fotos machen, Abdrücke von den Händen und Füßen nehmen…sein Baby in den Armen halten, sie spüren, richen und sehen. Das alles durfte ich damals nicht…ich habe nur den Mutterpaß als Beweis das es ihn gab…und einen Brief in dem man sich quasi entschuldigt und mir Angeboten hat das es sowas wie Gedenkstätten für all die Mütter gibt die so, oder auf ähnliche grausame Weise, ihr Baby verloren haben.

Lalo…

 

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